Biographie

Die Anfänge
Geboren in den goldenen, aber entbehrungsreichen 60ern in Essen, ging ich nach der Grundschule auf eine der ersten Ganztagsschulen der Republik – eine  Erfahrung, die mir neben einer mittelmässigen Gymnasialkarriere auch zu einer Schlosserlehre und der Inspiration zum Trommeln verhalf. Der Kunstlehrer war nebenbei ein engagierter Jazzdrummer, und nach einer dieser progressiven Schulmessen mit Band fand ich mich in jeder Mittagspause im damals noch revolutionären Bandraum wieder. Ich war 12, als ich mit mehr oder weniger Erfolg, aber auf jeden Fall ohne jede Technik oder Anleitung das dort aufgebaute Drumset verdrosch. Meine technische Erleuchtung kam glücklicherweise schon ein Jahr später, als der grosse Charly Antolini im hiesigen Musikhaus eine Schlagzeugvorführung zelebrierte. Diese hinterliess ob der vorgetragenen technischen Finesse und Geschwindigkeit alle anwesenden Essener Schlagzeuger in tiefer Depression – doch am Ende erbarmte sich der Schweizer und führte sein Können, vor allem die Rudiments, nochmal in Zeitlupe und mit schönster Bewegung vor. Zumindest mir war damit das entscheidende Licht aufgegangen, ich fing quasi nochmal neu an und lernte es jetzt richtig.

Auf die Bühne
Mit 14 oder 15 hatte ich den ersten Auftritt mit meiner Schüler-Rockband, nicht gerade in der Aula, da die der Schüler-Jazzband vorbehalten war, sondern draussen in der Raucherecke. Das schien den Planern des Schulfestes wohl sicherer, denn auf mein Betreiben hatten wir die Band „Destroyer“ getauft. Ich hatte nicht so recht überlegt, was das bedeutete, fand den Namen aber cool – später benannten wir uns um in „Mother´s Cake“ und fühlten uns sofort gleichbedeutend mit Pink Floyd und Deep Purple.
Mit 16 war ich so fit auf dem Drumset, dass ich in der Essener Musikszene ganz gut mitmischen konnte und eine erste Single aufnahm. Das Studio besass ein kleines M&M-Mischpult und eine 8-Spur Bandmaschine, wir nahmen 2 Instrumentalnummern auf, die die Titel „4“ und „11“ trugen. Die Kreativität hatte nicht mehr zum Erfinden richtiger Songnamen gereicht, aber wir waren mächtig stolz.
Ein Jahr später stand ich bereits kurz davor, zuhause auszuziehen, hatte in vielen anderen Bands der Stadt gespielt – und kam über eine Zeitungsannonce an meine erste professionelle Band samt Plattenvertrag. Der liess uns bald ein ganzes Album aufnehmen, vorher musste ich aber noch einige Ferien lang und sämtliche freien anderen Tage als Giessereihelfer ackern, um mir mein erstes professionelles Schlagzeug zu kaufen: Ein TAMA Superstar mit 2 Bassdrums, vielen Toms und vielen Paiste-Cymbals. Ich habe es heute noch.
Mein Soundideal war der offene, knallige Sound von Stewart Copeland, leider aber war der Produzent unseres Albums verliebt in den totesten Klang des Universums. So musste ich also zunächst ein paar Songs auf einem schon damals uralten Rogers Drumset aufnehmen, dem man nicht nur alle Resonanzfelle gestohlen hatte, sondern das zusätzlich noch unter einer Familienpackung Tempotücher begraben war. Irgendwer muss sich dann erbarmt haben, so dass wir noch mal von vorn anfingen und ich mein eigenes Set benutzen durfte.
Die Band hatte nicht gerade umwerfenden Erfolg, dafür aber den richtigen Manager: Der betreute Künstler wie Tina Turner, Black Uhuru und Mink de Ville – und wir spielten natürlich auf deren Tourneen als Support-Act. Mit diesen ganzen tierischen Musikern wochenlang zusammen zu sein, war bestimmt die beste Schule, die ein junger Typ wie ich kriegen konnte – besonders beeindruckt war ich ich von Jack Bruno, dem Tourdrummer von Tina Turner und von Sly Dunbar, der bei Black Uhuru trommelte. Da das Geld noch nicht zum Überleben reichte, baute ich nebenher Flightcases und reparierte mit ein paar Freunden Autos.

Vorbilder
Bis ich 16 war, hatte ich mich fast ausschliesslich mit 3 Drummern beschäftigt, die sozusagen meine „Lehrer“ waren: John Bonham, Ringo Starr und vor allem Ian Paice, der Grosses bei Deep Purple geschaffen hatte. Dann aber kam Stewart Copeland, der mit Police eine ganz neue rhythmische Sprache erfunden hatte. Wir fanden ihn am Anfang blöd, weil wir seine Ideen nicht verstanden; mit der Zeit aber eröffnete sich seine Genialität – ab da wollte ich genauso spielen und klingen wie er. Und wie Billy Cobham, Steve Gadd, Jeff Porcaro, Vinnie Colaiuta und einige andere, die ich nach und nach für mich entdeckte. Es war die Zeit der Plattenspieler; Schallplatten konnte man prima in jeder beliebigen Geschwindigkeit mit der Hand drehen, was das Raushören wirklich erleichterte. Dennoch hatte das Touren mit den „grossen“ Professionals, in deren Vorgramm ich schliesslich allabendlich spielte, einen ganz anderen, tieferen Einfluss auf mich. Es war sozusagen „aus erster Hand“.

Aufbruch
Mit diesen Erfahrungen, mittlerweile 20 Jahre alt, stieg ich für ein Jahr bei der Hippieband Bröselmaschine ein – mit deren Rhythmusgruppe anschliessend die neue Band um den Rocksänger Klaus Lage gebildet wurde. Die erste Single, die wir ein paar Monate später mit Klaus aufnahmen, war der spätere Superhit „1001 Nacht“, der erst nicht richtig zünden wollte, durch zunehmendes Airplay dann aber plötzlich richtig losging. Es folgten fünf intensive Jahre mit langen Tourneen, neuen Alben und vielen Fernsehshows; gleichzeitig wurde ich immer mehr zum Sessionmusiker, der auch auf den Alben und Tourneen anderer Künstler spielte. Und parallel dazu hatte ich begonnen, Schlagzeugvorführungen zu spielen, die mittlerweile Drumclinics hiessen. Nachdem ich die Klaus Lage Band verlassen hatte, hatte ich also viel zu tun und war ständig mit anderen Acts auf Tournee und im Studio; die Creditliste singt ein Lied davon.

Fotografie
Trotzdem schaffte ich es irgendwie, Anfang der 90er aus meinem bisherigen Hobby, der Fotografie, einen weiteren Beruf zu erschaffen. Einige Jahre lang war ich auf diese Weise rund um die Uhr beschäftigt: Tagsüber fotografieren und nachts spielen oder umgekehrt, was irgendwann in der Erkenntnis mündete, dass der übliche Tag ein paar Stunden zuwenig hat. Die Entscheidung fiel einmal mehr zugunsten der Musik, die Fotografie konnte da einfach nicht mithalten. Ganz verschwunden ist sie dennoch nicht, ich verdanke ihr viele grossartige Erfahrungen und fotografiere immer noch gern auf Anfrage.

Hearsafe und der HEAR! e.V.
1995 hatte ich mich bereits eine ganze Weile mit Möglichkeiten des Gehörschutzes für Musiker beschäftigt – interessanterweise als einer der ersten und lange, bevor das Thema die Musikerwelt erreichte. Naheliegend wäre es eigentlich schon lange vorher gewesen, denn in der Folge lernte ich viele Musiker mit erheblichen Hörproblemen kennen. In einer Laune gründete ich 1996 mit einem Partner das winzige Unternehmen Hearsafe, mit dem endlich gut klingender Gehörschutz für Musiker auf den Markt gebracht werden sollte. Wenig später fand ich mich, natürlich wieder mal neben meinem Beruf als Musiker, in meiner eigenen Firma wieder, und auch in dieser Zeit waren die Tage wieder viel zu kurz. Denn wir waren nicht nur beim Gehörschutz geblieben, sondern wurden quasi nebenbei Pioniere beim In-Ear-Monitoring, das es in Deutschland damals noch gar nicht gab. Kurze Zeit später rief ich zusätzlich noch die Organisation HEAR! e.V. ins Leben, um endlich auf breiterer Front ein Bewusstsein für die Empfindlichkeit des Gehörs zu schaffen. Als Botschafter der Ohren ging ich mit messianischem Eifer durch die Medien, traf viele prominente Unterstützer und machte mich massgeblich mitschuldig daran, dass Gehörschutz unter Musikern heute zum Standard geworden ist.

Tic Tac Toe und die Folgen
Irgendwann erreichte mich die Botschaft, der damals erfolgreichste deutsche Popact Tic Tac Toe, bis dahin ein reines Retortenprodukt um drei gecastete Mädchen, brauche dringend eine astreine Liveband, um auf Tour zu gehen. Binnen kürzester Zeit war ich, zum ersten Mal im Leben, Bandleader und damit in der Position, eine Band nach meinen Vorstellungen für diesen Act zusammenzubauen. Die ersten 50 Konzerte liefen hervorragend, das ganze Projekt samt der Mädchen stellte sich auf der Bühne top-professionell dar und liess die Kritik an dem „Plastikact“ verstummen. Leider waren die 3 Frontdamen abseits der Bühne weniger gut beraten, was rechtzeitig vor der zweiten grossen Tournee zum völlig unerwarteten Ableben der Band durch pubertäres Streiten im Fernsehen führte.
Bald darauf übernahm ich, gestählt durch die Erfahrungen mit Tic Tac Toe, für 2 Jahre den Job als Musical Director und Drummer für die Peter Maffay Show „Tabaluga & Lilli“. Anschliessend arbeitete ich in der gleichen Funktion noch eine Weile für Bastiaan Ragas von „Caught in the Act“.
Eine Traumsituation trat 2002 ein: Ich erhielt unerwartet das Angebot, auf der Frankfurter Musikmesse ein Projekt nach meinen Vorstellungen zu realisieren, was zur Gründung der REAL GROOVE BAND führte. Die Vorgabe war, eine Show auf die Beine zu stellen, die gleichermassen Musikgourmets begeistern konnte und geeignet war, das PA-System des Auftraggebers ELECTROVOICE glänzend ausehen zu lassen. Unerwartete sieben Jahre lang konnte das Projekt bisher in unterschiedlichem LineUp ein Riesenpublikum begeistern; als Gäste waren im Laufe der Zeit dabei: Haddaway, Bobby Kimball, Randy Hansen, Miller Anderson, Bonita, We will rock you, T.M. Stevens, Spencer Davis und viele andere.

Der Ruf der Hochschulen
An der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf hatte ich bereits Drum Recording Workshops abgehalten, als man mir 2005 anbot, die dort studierenden Drummer auch zu unterrichten. Erschreckt lehnte ich ab – war Schlagzeugunterricht nicht dieser dauernde Kampf mit wenig motivierten Schülern, die einem den Spass durch rücksichtsloses Steckenbleiben in der immergleichen Lektion vermiesten? Nach etwas Überredungskunst versuchte ich es schliesslich glücklicherweise doch und war wider Erwarten begeistert - nicht zuletzt, weil ich schnell merkte, dass auch ich jede Menge Input durch das Unterrichten erhielt.
Zusätzlich fing ich 2007 am Institut für Musik an der FH Osnabrück an, als dort der neue Studiengang POP gegründet wurde. Die beiden Hochschulen sind mittlerweile ein fester Bestandteil meines Lebens, und ich geniesse und schätze die Zusammenarbeit mit meinen Studenten sehr.

Ein bunter Strauss schöner Melodien
Seit über 10 Jahren habe ich mein musikalisches Leben auf immer mehr verschiedene Beine gestellt; während früher eher die Monokultur aus AlbumTourAlbumTourAlbumTour herrschte (bestenfalls gelegentlich unterbrochen von einer Drumclinic oder einer Fernseh-Aufzeichnung), tue ich mittlerweile die unterschiedlichsten Dinge parallel, was mir sehr viel Freude bereitet: Neben den unterschiedlichen musikalischen Projekten arbeite ich regelmässig als Sessionmusiker in Studios, unterrichte an den Hochschulen, gebe Workshops und schreibe/produziere Musik für Theater und Film. So ist es für mich nach wie vor ganz einfach der schönste Job der Welt.